[Blogtour] Wenn du mich endlich liebst … – Interview

Hallo ihr Lieben,

 

obwohl ich die Tour bereits begonnen habe, darf ich sie heute auch beenden. 😀

Als kleine Überraschung haben ich jetzt für euch noch ein kleines Interview mit Linne van Sythen.

 


Interview

 

 
Wie kamst du zum Schreiben?

 

Viele Autor(inn)en erzählen, sie hätten seit der Kindheit geschrieben. Ich auch. Verhasste Klassenarbeiten, spannende Seminararbeiten, engagierte Flugblätter, meine Diplomarbeit über die sexuelle Unterdrückung der Frau zum Abschluss meines Soziologiestudiums und später dann im Beruf lästige Vermerke, aber auch Fachartikel und Fachbücher zu ganz unterschiedlichen Themen.

Mit dem belletristischen Schreiben begann ich 1993, um in Romanform eine

 

gescheiterte Liebe zu verarbeiten. Natürlich wollte ich das Ergebnis gerne Schwarz auf Weiß, also als Buch, in den Händen halten. Aber veröffentlicht wurde meine Herz-Schmerz-Geschichte nie. Kein Wunder. Zu wenig wusste ich damals über das Handwerk des Schreibens. Auf meinen Schreibtisch häuften sich die Absagen vieler Verlage. Dieser Roman mit dem schönen Titel „Herzragout“ war mein Anstoß, endlich professionell schreiben zu lernen. Coaching und Kurse brachten mich weiter, machten Spaß. Ich lernte viele nette Autorinnen und Autoren kennen und blieb am Ball.

Heute bin ich Mitglied der Romance Alliance, eine Gruppe von Autorinnen, deren Romane sich auf verschiedenste Weise mit dem Thema “Liebe” beschäftigen. Der rege Austausch, den wir haben, unterstützt mich ganz wunderbar.

 

 

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

 

 

Vollgepackt. Ich lebe nicht vom Schreiben, habe einen Fulltimejob, zudem nicht in der Stadt, in der ich wohne. Mit Fahrzeit bin von 8:00 Uhr morgens bis 18:00 Uhr außer Haus. An meinen häuslichen Schreibtisch setze ich mich meist so gegen 19:00 Uhr. Da bleibt leider wochentags wenig Zeit fürs belletristische Schreiben, Marketingaktivitäten, Facebookpflege, Kontakt mit anderen Autorinnen und Autoren und meinen Leserinnen und Lesern. Ich bin vorwiegend eine Wochenendromanschreiberin.

 

 

 

Was inspiriert dich?

 

Meist, wenn ich interessante Menschen mit brüchigen Biographien kennenlerne. So entsteht eine Idee für eine Romanfigur, für die mich dann eine Geschichte „anfällt“. Im Kontext meiner Arbeit lernte ich z. B. eine Transsexelle kennen und die Frage „Was ist heute eine Frau, was ist ein Mann?“ ließ mich nicht mehr los. Die Protagonistin meines Psycho-Krimis „Zucker auf der Fensterbank“(Neues Literaturkontor, Münster) wurde also eine Frau, die ihr erstes Leben als Mann gelebt hat.

 

Aber es kann auch anders sein. Ich wünschte mir schon immer, viel mehr Zeit für meine abendliche Schreibsession neben dem Job zu haben, um meine phantasievolle Seite ausleben zu können. So dachte ich mir eines Tages, wie schön es doch wäre, eine Zwillingsschwester zu haben, die ich an meinen Arbeitsplatz schicken könnte, um den ganzen Tag Zu Hause tolle Geschichten erfinden zu können. So entstand die Idee zu meinem Roman „ Wenn zwei es wagen. (K)ein Liebesroman“ (Ullstein Forever), in dem sich zwei Zwillingsschwestern in einer Druckerei heimlich einen Ganztagsjob teilen. All die Turbulenzen allerdings, die meine Schwestern bei ihrem gewagten Jobsharing erleben und durchleiden – ständige Angst vorm Auffliegen, Liebeskummer, gegenseitiges Misstrauen und letztlich eine Erpressung – würden mich aber selbst den letzten Nerv kosten.

 

 

Wo schreibst Du am liebsten?

 

Zu Hause in meinem Arbeitszimmer. Klar, ich könnte meinen Laptop auch mit in den Garten nehmen mit Blick auf die Pferdekoppel meiner Nachbarin. Oder in das gemütliche Café um die Ecke … Aber ich brauche meinen großen Bildschirm, den ich an den Laptop angeschlossen habe. Und permanent auch meinen Drucker. Korrigieren und überarbeiten mache ich immer handschriftlich am Rande der ausgedruckten Seiten.

 

 

Was brauchst du, um gut ins Schreiben zu kommen?

 

Nun ja, ein Gläschen Wein beflügelt mich. Aber das Wichtigste ist absolute Ruhe. Also: Kein Telefonanruf, z.B. von einer liebesverzweifelten Freundin, keine hungrige Paula (meine Bernhardinerhündin), die an meiner Tür kratzt, keinen Paul (mein Mann), der gerade mal wieder seinen Haustürschlüssel verlegt hat.

 

 

Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

 

Klar trifft mich Kritik. Wenn ich sie arg empfinde, lenke ich mich erstmal ab. Schufte im Fitnessstudio, stürme mit meinem Mann Paul und meiner Bernhardinerhündin Paula in die Wiesen hinter unserem Haus. Oder ich knabbere eine ganze Packung Salzstangen weg. Kann auch sein, dass meine innere Putzteufelin erwacht und ich besessen alle Fenster auf einen Schlag reinige.

 

Mit Abstand prüfe ich aber immer, was an der Kritik dran ist (schluck!), und ob ich zukünftig etwas besser oder anders machen könnte. Kritik ist mir wichtig und bringt mich immer weiter.

 

 

 

Wie würdest Du dich selbst beschreiben?

 

Ach, du liebe Güte. Ich bin schön, intelligent und einfallsreich, erfolgreich in meinem Hauptberuf in der beruflichen Weiterbildung, weiß was ich will … Soll ich weitermachen? (lach) Der Selbsterfahrungskurs „Zu meinen Stärken stehen“ ist wahrlich schon eine Weile her. Ich erzähle lieber mal, was mir an mir jüngst zu schaffen macht. Ich bin zunehmend entschiedene Festivitätenhasserin mit vielen Gästen und permanenten Small-talk über Stunden hin. Das macht mich total kribbelig, langweilt mich bis in die Fußnägel und der „Ich-muss- hier- weg- Impuls“ beherrscht mich fast noch schlimmer als „Ich-will-da bloß nicht-hin-Impuls“. Je

 

älter ich werde liebe ich Treffen in kleiner Runde, wo auch getrunken, gelacht und herumgewitzelt wird, aber meist auch intensiv über etwas gesprochen wird, was mich und die anderen gerade bewegt, ja uns sogar Sorgen macht. Da kann ich mich einbringen und spüre Nähe zu Menschen, an denen mir etwas liegt.

 

 

Deine Hauptfiguren, in deinem neuen Roman „Wenn du mich endlich liebst“ sind keineswegs nur sympathisch. Was hat Dich bewogen, über so zwiespältigen Charaktere zu schreiben?

 

Mich würde es absolut langweilen über vorhersehbare „gute“ Helden zu schreiben. Mich fasziniert es total, Charaktere zu entfalten, die beide Seiten haben, eben „gut/sympathisch“ und „böse/unsympathisch“. Woher soll denn sonst Konflikt/Auseinandersetzung entstehen, der Romane fesselnd und spannend macht?

Ich hoffe natürlich sehr, dass meine Leser/-innen nachvollziehen können, aus welchen Gründen (z.B. wegen ihrer Geschichte und ihrer Erfahrungen) eine Figur z.B. skrupellos, taktisch, besessen, intrigant, überheblich, handelt. Das ist wichtig, um sie zu verstehen. Natürlich erwarte ich nicht, dass meine Leser/-innen das

 

Handeln meiner Figuren immer akzeptieren. Aber ich freue mich natürlich, wenn sie die Figuren dennoch so interessant/spannend findet, dass sie sich (wenigsten ein bisschen) in sie einfühlen und dennoch mit ihnen mitfühlen und mitfiebern können.

 

 

In deiner Leserunde bei Lovelybooks haben einige Leserinnen deine Hauptfigur Bardo als „krank/ psychopatisch“ bewertet? Was sagst du dazu?

 

 

Ich finde, das ist eine sehr harte und auch überzogene Einschätzung. Insbesondere, wenn ich in anderen Romanen (insbesondere Thrillern) für mich echte Psychopathen erlebe: verantwortungslos, rücksichtslos, gefühlskalt, aggressiv und grausam.

Mein Bardo, ein Mann, der sich in der Liebe verrennt, handelt sehr wohl verletzend, überheblich und grenzüberschreitend. Aber dabei bleibt er durchaus ein sympathischer Kerl, der sich auch selbstkritisch in Frage stellen kann. Immer wieder unterstützt und hilft er Anna und ihrer Tochter. Und das sehr liebevoll. Sogar für Mario, seinen Rivalen, entwickelt er Mitgefühl und berät ihn, steht auf seiner Seite. Sein vielschichtiges Verhalten ist für mich ja so faszinierend, und ich hoffe auch für meine Leser/-innen. Er verfolgt zwar seine Ziele – so wie wir es wohl nicht tun würden – handelt aber immer wieder als mitfühlender Mensch, ja gar als Freund.

 

 

Dein Roman wirft ja letztlich auch die Frage auf, was und wie viel ein Mensch vergeben kann. Sehe ich das richtig?

 

 

Ja, mein Roman fragt danach, ob Verzeihen nicht zum Leben gehört. Und warum das so wichtig für unser Lebens- und Liebesglück ist. Ich möchte Menschen keine Veränderungskompetenz absprechen – und so auch nicht meinen Romanfiguren. Da sie letztlich zu ihren Fehlern stehen, Einsicht zeigen und für sich neue und andere Wege gehen, können sie einander auch verzeihen. Ohne dabei gleich in einem glückseligen Happy End zu landen. Ich wäre froh, wenn mein Roman dazu anregt, vorschnelle Urteile in Liebesdingen in Frage zu stellen und rüberkommt, dass die Liebe viele Wege gehen kann, wir letztlich im Verzeihen der Liebe vertrauen sollten.

 

 

 

Du schreibst die Geschichte über Anna und den plötzlichen Kindstod von Sven Martin recht anschaulich. Kennst du jemanden, dem so etwas passiert ist? Was hat dich dazu bewogen auch dieses Thema aufzugreifen?

 

Nein, ich kenne niemanden, der den plötzlichen Kindstod selbst erlebt hat. Ich habe im Dossier der ZEIT vor vielen Jahren dazu einen Beitrag gelesen, der mich sehr betroffen gemacht hat. Er hat mich motiviert, dieses Thema in meinem Roman mitzuverarbeiten. Wie jede sorgfältige Autorin schreibe ich dann nicht einfach los, sondern recherchiere (lese Fachbücher dazu, lese in Selbsthilfeforen für betroffene Eltern im Internet, usw.)

 

 

Deine Hauptfigur Bardo hat ja wirklich eine tolle Bezugsperson und Beraterin, nämlich seine Riesendogge Tosca. Warum hast du sie eingeführt und was bedeutet sie dir?

 

Als ich den Roman geschrieben habe, lebte Dana unsere Golden-Retriever-Hündin noch. Dana war ein Schatz von Hund und ich habe ihr oft von meinen Sorgen erzählt. Also musste ich sie irgendwie in den Roman einbauen. Zumal Bardo ja sehr einsam ist. Für den kleinen Bardo wollte ich aber ein wirkliches Pendant – also eine Riesendogge. Und mit der liebenswerten Tosca bespricht er all seine Sorgen und Fragen.
Zwei Jahre nach Danas Tod (mein Mann und ich haben echt um sie getrauert) waren wir wieder soweit, uns einen neuen Hund vorstellen zu können. Unsere Nachbarn besitzen ein Bernhardinerpärchen. Dieses hat vor zwei Jahren acht Hundebabys bekommen. Mein Mann war sofort Feuer und Flamme. Ich habe gezögert. So ein großer Hund im Haus? Aber dann hat mir quasi Bardo Mut gemacht. Nun lebe ich mit meinem Mann Paul und meiner Bernhardinerhündin Paula zusammen. Wenn ich abends schreibe, liegt sie neben mir auf dem Teppich und gibt so ab und an einen begeisterten oder kritischen Kommentar zu meiner Schreibe ab. Wie ich diesen Hund liebe!!!

 


So das war das Interview mit Linne van Sythen. Eine sehr nette Autorin, wie ich finde. Hier noch ein paar Links rund um Frau van Sythen und ihre Bücher.

 

 

Die Gewinner werden im Laufe des Tages bekannt gegeben und ich hoffe ihr hatten freude an dieser Blogtour 😀

 

 

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