[Rezension] Die Brückenbauerin


Autorin: Madeleine Harstall
Verlag: dotbooks
Veröffentlicht: 01.09.2014
Genre: Gegenwartsliteratur/ Liebesroman
Seiten: 393
Preis E-Book: 6,99 €

 

Klapptext

“Thea Fiedler hat sich für ihre Abschlussarbeit ein anspruchsvolles Thema vorgenommen: Sie will über den Brückenbau im 19. Jahrhundert schreiben. Bei ihren Recherchen stößt sie auf den Namen ihrer Ururgroßmutter Fedora. Deren Mann hatte einst auf der Insel Usedom eine berühmte Brücke gebaut, eine Brücke, die später einstürzte und viele Menschen in den Tod riss. Allmählich wird Thea klar, welche Rolle Fedora damals spielte, und sie entdeckt das Geheimnis ihrer Vorfahrin, das wie ein Fluch noch auf ihren Töchtern und Enkelinnen zu lasten scheint …”

 

Meine Meinung

Aufgrund der Aufmachung und des Buchtitels sortierte ich diesen Roman eher in die Sparte Frauenroman. Doch “die Brückenbauerin” ist kein typischer Frauen-/Liebesroman, sondern vereint darüber hinaus einen deutscher Familienroman, einen Krimi, einen Wissenschaftsroman, einen Historiengemälde und eine Ost-West-Erzählung. Es ist ein gelungener Genrenmix in dem experimentiert, vergiftet, auf Schwäbisch und auf Platt geredet, geliebt, gestritten, gesucht und gefunden, erforscht und erfunden wird.

Ich selber bin in Mecklenburg-Vorpommern geboren und fühle mich noch immer dahin verbunden. Daher kenne ich die Orte an der Ostsee und das gab den ausschlaggebenden Punkt um dieses E-Book zu lesen. Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen, Vergangenheit und Gegenwart. Alle Zeitebenen sind durch die Blutsbande der Familie Fiedler miteinander verwoben und durchdringen sich.

Madeleine Harstall schafft es die Zeitsprünge weich, durch Erzählungen oder Träume einzuleiten. Der Schreibstil ist fließend und angenehm zu lesen. Es gibt Wendungen mit den man nicht rechnet und daher bleibt der Roman recht unvorhersehbar. Einzig die Liebesgeschichte, kann man gut vorausahnen. Aber die spielt ja nun hier eher eine Nebenrolle. Gerade, dass ab und zu verschiedene Dialekte zu tage kommen, macht den Roman zu einem wunderbaren Werk.

Die Familienchronik von Fedora ist sehr spannend, denn da wird ziemlich anschaulich das Leben in einer äußerst aufregenden Zeit beschrieben – es gibt noch keine Glühbirnen, Kühlschränke oder Staubsauger, dafür liegt aber ein ungeheurer Wissens- und Forscherdrang in der Luft, der auch für den Leser von heute noch spürbar wird. All die Dinge, die für uns heute so selbstverständlich sind, wurden dank der Neugier und Experimentierfreudigkeit dieser Menschen erfunden, die sich auch von unvermeidlichen Rückschlägen nicht entmutigen ließen. Das gilt natürlich nicht nur für die Technik sondern auch für die Medizin. Obwohl diese Zeit eigentlich noch gar nicht so weit zurück liegt, glaubt man sich in eine andere, ferne Welt versetzt, wenn man miterlebt, mit welchen Schwierigkeiten Frauen zu kämpfen hatten, die ihr Leben ebenfalls der Wissenschaft verschreiben wollten – Fedora als Ingenieurin und ihre Tochter Elsie als Ärztin – und welchen hohen Preis diese intelligenten und mutigen Frauen für diese Entscheidung bezahlen mussten.

Dazwischen kommt aber auch die Annäherungsversuche von Janik und Thea nicht zu kurz. Denn auch die beiden haben in der Gegenwart viele Probleme die es zu lösen gibt.
Gerade Thea mit ihrem unbremsbaren Drang alles und jeden zu reparieren hat mir besonders gefallen. Im Gegensatz zu Janik, der eher introvertiert ist und niemanden an sich ranlässt, ist Thea aufgeschlossen und kann ihre Klappe nicht halten. Das hat sie mit ihren Vorfahrinnen gemeinsam, was während der Geschichte immer deutlicher wird.

Madeleine Harstall beschreibt die Umgebung in Anklam und Umgebung wunderbar detailliert und ich konnte die Bilder vor mir sehen. Das Cover ist ein Traum und es passt wunderbar zur Storyline.

Einzig das Ende kam mir zu abrupt. Während die Story immer weiter ausgebaut und komplexer wurde, war für das Ende nicht mehr viel Platz. Es ging sehr schnell über die Bühne, auch wenn es überraschend war, blieb man doch mit einem bitteren Gefühl zurück.

 

Mein Fazit

Mein Kompliment an die Autorin Madeleine Harstall für so eine komplexe Story! Es werden Brücken in die deutsche Geschichte sowie zwischen Ost und West gebaut. Eine fesselnde Story und spannende Wendungen, gepaart mit wunderschönen bildlich dargestellten Umgebungsbildern machen einen fast Perfekten Roman aus. Ich empfehle jedem die Lektüre dieses Romans.

 

Bewertung

VIER-blumen

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